Die Großen Vier: Neue Arbeitswelten / Die Handelsangestellten
Die Großen Vier: Neue Arbeitswelten / Die Handelsangestellten
Am Ende des 19. Jh. sind die Verkäufer:innen der großen Warenhäuser eine Grenzkategorie in der gesellschaftlichen Hierarchie, zwischen der Mittelklasse und der Arbeiterklasse, obwohl ihre Arbeitsbedingungen eher jenen der Arbeiterschaft ähneln. Der Grund für diese Sonderstellung liegt vor allem im Arbeitsplatz selbst, der im innerstädtischen Bereich eine vielschichtige, zahlreiche und wohlhabende Klientel bedient, an die sich die Verkäufer:innen in Sprache, Verhalten und Kleidung anpassen müssen.
1911 beschäftigte die Firma Gerngross 1.600 Angestellte: Verkäufer:innen, Näher:innen, Einkäufer:innen und Abteilungsleitende, Verwaltungs- und Versandangestellte, sowie Angestellte für die Buchhaltung, Werbung und Dekoration, in den Cafés und Servicebereichen. Sie spiegelten die gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit wider und gehörten der wachsenden Gruppe des neuen Mittelstandes an. Viele der großen Warenhäuser bieten, teils lange bevor entsprechende gesetzliche Regelungen in Kraft treten, freiwillige Sozialleistungen an: Spar- und Unterstützungsvereine, Sportvereine, medizinische Versorgung, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Arbeitspausen, Sonntagsruhe und kürzere Arbeitszeiten.
Die Gehälter wurden um 1900 üblicherweise mit jedem einzelnen Angestellten vereinbart, und wöchentlich oder monatlich ausbezahlt. Im Allgemeinen verdienten die Handelsangestellten zwischen 500 und 1.000 Kronen pro Jahr. Ein Facharbeiter verdiente 1.000 bis 1.500 Kronen, ein Dienstmädchen oder Knecht etwa 300. Nach heutigem Geld wäre eine Krone etwa 4 Euro wert. 1914 bekam man für eine Krone 3 Kilo Brot, 1,5 Kilo Zucker. Dreizehn Kronen kosteten ein paar Schuhe, ein Anzug 45 Kronen.

